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Sumerisch Vokabeln

 

Sumerisch Grammatik

 

Inhalt

I. Altersstufen des Sumerischen: 2

II. Dialekte und Kunstsprachen: 4

III. Schrift: 5

a) Wortzeichen (Logogramme): 5

b) Silbenzeichen (Syllabogramme): 5

c) Determinative: 6

IV. Lautlehre: 7

a) Vokale: 7

b) Konsonanten: 9

V. Allgemeine Struktur des Sumerischen: 11

a) Wortklassen: 11

b) Aufbau des Satzes: 11

VI. Pronomina. 13

a) selbstständige Personalpronomen: 13

b) Pronominalsuffixe: 13

c) Demonstrativpronomen: 14

d) Interrogativpronomina. 15

e) Indefinitpronomina: 15

f) Reflexivpronomen: 16

VII. Nomen. 16

a) Geschlecht: 16

b) Klasse: 16

c) Numerus: 17

d) Kettenbildung: 18

e) Kasus: 18

VIII. Zahlwörter 20

IX. Adjektive. 21

X. Verben. 22

a) Verbstämme und Verbklassen: 22

b) Verben mit bestimmtem Numerus: 25

c) Finite Verbformen: 26

Modale Präfixe/Präformative: 26

Das transitive Verb. 33

Akkusativ- / Absolutiv-Infixe und -Suffixe: 35

Das intransitive (1 Partizipant) und passive Verb: 36

d) Das Subordinationssuffix –a: (Thomsen § 484-485) 37

1.) Subjunktiv: bei indirekter Rede. 37

2.) Relativ: 37

3.) Temporalsätze: 38

4.) Kausalsätze: 39

5.) Verb + a + Personalpronomen + Kasus-Postposition: 40

6.) Konditionalsatz mit tukum-bi = wenn: 41

e) Das Verb me = „sein“: 41

f) Die Enklitische Kopula: 42

g) Extended Imperativ: (Thomsen § 495-499) 43

h) Nicht finite Verbformen: Partizip, Infinitiv. 43

1. Asyntaktische Konstruktionen: 44

2. Subordinierte Konstruktionen: 45

3. Die pronominale Konjugation. 47

4. Nomen, Verb (marû) -ed -e: 48

5.: Nicht-finite Formen mit der enklitischen Kopula: (Thomsen § 526) 48

i) Die Direkte Rede: (Thomsen S. 279 § 548) 48

Literatur: 49

 

 

 

I. Altersstufen des Sumerischen

1. Aus sumerischer Zeit

   a)   archaisch (ca. 3300?-27/600 v.Chr.):

        Uruk S. IV a, III c-a, Djemdet-Naşr, Tell Uqair, Ur “Seal Impression Stratum” V-IV

   b)   altsumerisch oder präsargonisch (ca. 2700/2600-2400/2350):

         Fara (Šurrupak), Tell Abū Salābīh, Ebla (Tell Mardih), Girsu, Lagaš, Nippur, Ur, Adab,

        Mari, Tell Beydar

        - sehr defektive Schreibweise Þ Unterscheidung zu späteren Perioden deshalb schwierig

         - Vokalharmonie (siehe unten) kommt nur hier vor und nicht mehr in späteren Texten

        - 2600-2500:  Ökonomische, administrative und literarische Texte, einige kurze

           Weihinschriften

        - 2500-2350: Bau- und Weihinschriften der 1.Dynastie von Lagaš, Reformtext des

           Uruinimgina, Administrative Texte, 3 mythologische Texte: Enlil und Ninhursaŋ, Enlil

           und Iškur

   c)   sargonische und gutäische Stufe (ca. 2400/2350-2200/2100)

   d)   neusumerisch (ca. 2200/2100-2000 v.Chr.):

        2. Dynastie von Lagaš (Gudea-Zeit):

         - Inschrift auf Gudea Statue A und B, besonders wichtig

        3. Dynastie von Ur

        - das meiste Material aus allen Bereichen

         - stark beeinflusst vom Akkadischen

2. Aus nachsumerischer Zeit

   - Schulen: Ur und Nippur

   a)   frühaltbabylonisch (ca. 2000-1850)

         - Königsinschriften der Isin-Zeit, ausschließlich in Sumerisch

   b)   jünger altbabylonisch (ca.1850-1600)

        - Königsinschriften der Larsa-Zeit ausschließlich in Sumerisch

        - Königsinschriften der 1. Dynastie von Babylon hs. in Akkadisch manchmal auch mit

           sumerischer Übersetzung

        - Literarische Texte machen den größten Teil der Sumerischen Texte aus

   c)   nachaltbabylonisch:

        - fast nur noch im Kult

- Thomsen S. 27ff., mit abweichender Einteilung

 

II. Dialekte und Kunstsprachen

- Normalsprache:    emi-gi7(-r) = „fürstliche Sprache“; akk. šumeru

                          eme-si-sa2 = ordentliche Sprache

- Dialekte: Uruk / Ur / Lagaš / Umma / Nippur

- Kunstsprachen: nur lexikalisch belegt

   eme-gal = große Sprache, eme sukud-(da) = hohe Sprache, eme-suḫ(-a) = erlesene Sprache,

   eme-te-na = schiefe Sprache

- Fachsprachen:

   eme-ma2-laḫ5-a = Schiffersprache, eme-unu3 = Großtierhirtensprache,

   eme-nu-eš3 = Sprache der nu-eš3-Priester

- Frauensprache:

   eme-sal = feine Sprache,  ein literarischer Soziolekt den Frauen und Göttinnen verwenden,

                    sicher frühaltbabylonisch belegt, meist syllabisch geschrieben

 

III. Schrift

Die sumerische Schrift kennt Wort-, Silbenzeichen und Determinative.

a) Wortzeichen (Logogramme):

- können durch ein Schriftzeichen dargestellt werden

   Bsp.:  Schriftzeichenname(n) Þ sum. Lesung (Wortzeichen) = dt. Übersetzung

           A Þ a = Wasser; EME (KAxME) Þ eme = Zunge, Sprache;

           A2 Þ a2 = Arm, Kraft, Arbeit, Arbeitslohn;

-  Sie können aber auch durch eine Mehrzahl von Zeichen -dargestellt werden:

   Bsp.:  A2.KAL (Arm+stark) = usu = Kraft; PA.TE.SI = ensi2 = Stadtfürst, Provinzherrscher;

           ŠU.GAR.TUR.LA2-bi = tukum-bi = wenn; GIRI3.NITA = šagina = General

- Schriftzeichen sind oftmals polyphon, haben verschiedenen Lesungen (Wortzeichen):

   Bsp.:  AN Þ an = Himmel; AN Þ diŋir = Gott, Göttin;

           KA Þ ka = Mund; KA Þ zu2 = Zahn; KA Þ gu3 = Ruf, Schrei;

           KA Þ inim = Wort, Befehl; KA Þ du11 (dug4) = sprechen, sagen, befehlen

           (vom Wort aus nicht vom Zeichen aus denken)

    

b) Silbenzeichen (Syllabogramme):

- sind aus Wortzeichen abgeleitet

   Bsp.:  sum. Lesung (Wortzeichen) Þ sum. Lesung (Silbenzeichen) = Bsp. Verwendung

           a = Wasser Þ -a- = z. B. Lokativ-Suffix –a, uru-a = in der Stadt;

           ra = schlagen Þ -ra- = z. B. Dativ-Suffix –ra

           a, na = Wasser, Mensch Þ a-na = was?

- Schriftzeichen sind oftmals polyphon, haben verschiedenen Lesungen (Silbenzeichen):

- Doppelkonsonanz im An- und Auslaut lässt sich mit den Silbenzeichen nicht wiedergeben

   z. B. wird bra- Þ ba-ra- geschrieben und bta Þ ba-ta-

 

c) Determinative:

Zur Verdeutlichung der Wortzeichen werden vom Ende der archaischen Schriftstufe an

in zunehmendem Maße Deutezeichen, die sogenannten Determinative gesetzt:

Sie werden klein und hochgestellt vor oder nach dem Bezugsbegriff umschrieben.

 

Prädeterminative:

I: (röm. 1) vor Personennamen, taucht erst ab der Ur-III-Zeit auf

d:            (lat. deus) vor Götternamen

dug:         Tongefäß

gi:           Rohr, vor Rohrarten und Gegenständen aus Rohr

i7/id2:        Fluss, Kanal, vor Flüssen und Kanälen

lu2:           Mann, vor männlichen Berufen, erst ab der Ur-III-Zeit, häufig aB

mi2/munus: Frau, vor weiblichen Berufen und Frauennamen, erst ab aB

na4:         Stein, vor Steinen und Steingeräten

ŋiš/ŋeš:     Holz, vor Bäumen, Holzarten und Gegenständen aus Holz oder mit Holzanteil

šim:         wohlriechende Pflanze, Essenz, vor Aromatika

u2:           Pflanze, vor Gräsern und Sträuchern

uru/iri:      Stadt, vor Stadtnamen, erst aB häufig

urudu/eridu/erida: Kupfer, vor Gegenständen aus Kupfer, präsargonisch auch vor Bronzen

 

Postdeterminative:

ki:            Ort, nach Siedlungen

ku6:          Fisch, nach Fischen und Wassertieren, präsargonisch öfters auch vorrausgestellt

mušen:     Vogel, nach Vögeln und fliegenden Insekten

sar:          Gemüse, Grünzeug, nach Gartenpflanzen, erst ab aB regelmäßig

 

- Es ist nicht immer bekannt, ob das Determinativ mitgesprochen wurde oder nicht:

   Bsp.:  sum. ŋeš.banšur = akk. paššūru = Tisch Þ nicht mitgesprochen

           sum. ŋeš.ur3     = akk. gušūru = Stamm Þ mitgesprochen

 

IV. Lautlehre

Unser Wissen von den Lautwerten beruht hauptsächlich auf den Angaben in den lexikalischen Listen,

die ab der altbabylonischen Zeit meist zweisprachig gestaltet wurden.

Ergänzt werden diese Angaben durch unorthographische Schreibvarianten in sumerischen Texten

und in jüngster Zeit durch Texte aus Ebla.

Homonyme Lautwerte werden durchgezählt:

z.B. gi = gi1, = gi2, = gi3, gi4, gi5

 

a) Vokale:

- Lautstand:

   Falkenstein: a, e, i, u, (e und i liegen nah beieinander)

                     - nach dem Konjugationspräfix i3 wird -ba zu -ma Þ nasales ĩ (Varianten: ã, ẽ)

   Meissner-Oberhuber: u       (ü)          i      Liebermann 1979:  u                  i

                                   (o)   (ö)    e                                            o        e

                                          a                                                          a

- Vokallänge: Unterscheidung von langen und kurzen Vokalen unklar, Schreibungen wie z.B. ba-a lassen

   lange Vokale vermuten, können aber auch ein Hinweis auf veränderte Tonhöhen sein.

Über sumerische Lehnwörter im Akkadischen lassen sich aber Vokallängen vermuten:

sum. gag            Þ akk. kakku  = Nagel          Þ gag (kurz)

sum. kar             Þ akk. kārum = Hafen         Þ kār (lang)

sum. mušen        Þ mušennu    = Vogel          Þ mušen (kurz)

sum. en              Þ akk. ēnu     = En-Priester  Þ ēn (lang)

sum. apin           Þ akk. epinnu = Pflug          Þ apin (kurz)

sum. kid             Þ akk. kītu     = Rohrmatte   Þ kīd (lang)

sum dub             Þ akk. ṭuppu  = Tafel          Þ dub (kurz)

sum. nun, dE4-nun-na-na    Þ akk. Anūnakū     Þ nūn (lang)

- Vokalharmonie: präsargonische Texte aus Lagaš haben i3- und bi2- vor Verbalwurzeln und

Infixen, die die Vokale [i] und [u] enthalten. Präfixe e- und be2- vor Verbalwurzeln und

Infixen mit [a] und [e].

- Vokalassimilation: Bei den modalen Präfixen /ḫa-/, /ša-/, /nu-/ und /u-/ wird der Vokal an

das folgende Präfix angepasst:

vor [i]: ḫe2-bi2-, ši-bi2, li-bi2 aus nu-bi-, selten i3-bi2 aus u3-bi2

vor [a]: ḫa-ba-, ša-ba, la-ba aus nu-ba-, selten a-bi2 aus u3-ba (altsumerisch)

vor [u]: ḫa-mu-, bis aB danach ḫu-mu, ša-mu, nu-mu-, u3-ba

-  a Þ i

Komitativpräfix -da- Þ -di-, wenn ein -ni- folgt, aber auch in anderen Fällen ohne erkennbaren Grund.

- dab5 (KU)  = da-ab (Proto-Ea 19)          sag3 (PA) = sa3-ag (Proto-Ea 490)

                 = di-ib (Ea I 156)                              = si-ig (Ea I 298)

- a Þ e

Komitativpräfix -da- Þ -de3-, in aB Texten, wahrscheinlich Assimilation oder Kontraktion an ein

vorausgehendes oder nachfolgendes -e-

-  e Þ u

Nach einigen u-haltigen Verbstämmen wird das -e- des Verbalmorphems /ed/ und der

Pronominalsuffixe zu -u-

- Vokalkontraktion:

i + a Þ a,           /-ani-a (Lokativ)/ oder /-ani-a(k) (Genitiv)/ Þ -a-na; /-bi-a/ oder /-bi-ak/ Þ -ba

u + a Þ a,          /ŋu10-a oder -a(k)/ Þ -ŋa2; mu-?-a (1. Sg. Dativ)/ Þ ma-

u + e Þ e,          /mu-e-/ Þ me- (sehr selten)

u + e Þ u-u,      /lu2-e (Ergativ)/ Þ lu2-u2

Nach der Verbalwurzel wird das e der Endungen [-en] und -ed] meist assimiliert,

z. B. /-du-en/ Þ -du-un ; /ŋa2-ŋa2-ed-e/ Þ ŋa2-ŋa2-de3

 

b) Konsonanten:

- Lautstand:

   Thomsen :                  b, d, dr, g, ŋ,     ḫ, k,        l,        m, n, p,        r, s,   š, t, z

   Meissner-Oberhuber:    b, d,     g, ŋ,     ḫ, k,        l,        m, n, p,        r, s,   š, t, z

                                   Emphase: ṭ, ş, ķ = q (durch Kontakt zum semitischem Idiom)

                                   ř (s. von Soden WZKM 55, 51ff., J. Gelb, MAD 2, 122)

   A. Falkenstein:             b, d,     g, ŋ, *h, ḫ, k,        l,        m, n, p,        r, s, ś, š, t, z

   Thomsen:                   l1, l2: En-lil2-ra Þ En-lil2-la; En-lil2-ak Þ En-lil2-la2

   Edzard:                      b, d, ^r, g, „ğ“, H, ḫ, k, (k*), l, (l2), m, n, p, (p), r, s, ś, š, t, (t’), z

   Bauer, J.: Welt des Orients 8, 1-9; Steinkeller, P.: JCS 35, 249f.: dr im An- und Auslaut

   Steinkeller, P.: Aula Orientalis 2, 1984, 141f.: mb/mp

- Aussprache von š, s, z wie im Akkadischen auch unbekannt

- Konsonanten im Auslaut:

   - Das -k der Genitiv-Endung -ak und das -n der Endung der 1./2. Person „Präsens-Futur“ und der

     „Normalform“ -en fallen meist ab, sind aber erhalten, wenn vokalisch anlautende Endung folgt:

     z. B. -ak-a

   - Bei der marû Verdopplung fällt der letzte Konsonant des Verbalstamms im Gegensatz zu der

     ḫamṭu-Verdopplung ab.

- Stimmhafte und Stimmlose Konsonanten:

   b, d, g werden in der Transliteration zwar von p, t, k unterschieden, die Unterscheidung ist aber

   umstritten.

- gb:

buru4 / gu-ru = Rabe, agrig / abrig = Hausverwalter Þ Lautwert: [gb]?

- lr:

rib / lib = übergroß,    kibil / gibir = neu

- mn:

alam/alan = Statue, ezem/ezen = Fest, -gim/-gin7 = wie

- Konsonantenwechsel:

b Þ m nach dem nasalierten Vokal des Verbalpräfixes i-

n Þ l vor [b]:      nu-ba/i- la/i-ba/i-

- Weiteres: Thomsen S. 44-47, A. Falkenstein: Das Sumerische S. 25-31

 

V. Allgemeine Struktur des Sumerischen

 

a) Wortklassen:

- 1. Nomen 2. Pronomen 3. Zahlen 4. Verben 5. Adverbien 6. Ausrufe 7. Subjunktionen und

   Konjunktionen 8. Fragewörter (1-4 sind mit Partikeln verbunden, 5-8 nicht)

- J. Black:

   Hauptklassen:      1. Nomen 2. Verben

   Andere Klassen:   3. Pronomen 4. Adjektive 5. Konjunktionen 6. Interjektionen

                          7. Adverbien 8. Ideophone

 

b) Aufbau des Satzes:

- Das Verb steht immer am Ende, die Ordnung der anderen Elemente ist variabel.

 

- Ein-Partizipanten-Satz (Subjekt), Intransitiver Satz

   ir11       e2     -a    ba – ku4

   Sklave  Haus in    er ist eingetreten

 

   ir11                          ba – ra

   Sklave                      wurde geschlagen

   Subjekt im Absolutiv    Verb (Konjugationspräfix-√-Pronomen)

   Þ 1 Partizipant (Subjekt), passiver Satz Þ keine Änderung der Form

 

- Zwei-Partizipanten-Satz (Subjekt und Objekt) / transitiver Satz

   lu2-e                  ir11                        mu   -un            -ra

   Mann                 Sklave                    er hat geschlagen

   Agens im Ergativ  Patiens im Absolutiv K.p.  -Pronomen -√

   Subjekt              Objekt                    Verb

 

- Zwischen diese Bausteine können Objekte in den verschiedenen Kasus (mit dimensionalen Suffixen)

   eingeschoben sein:

   lugal-e               udu                      e2          -a   in-                   ku4

   König                 Schafe                  Haus  in   er brachte

   Agens im Ergativ  Patiens im Absolut. Lokativ    K.p.+Pronomen-

 

-  Die Wortstellung ist meist wie oben angezeigt, doch gibt es literarisch oft Umstellungen. Der

   wichtigste Satzteil steht dann am Anfang:

   Bsp.: dnin-ŋir2-su-ra gu3-de2-a ensi2-lagašaki-ke4 =   Dem Nin-Ŋirsu, Gudea der Stadtfürst von Lagaš,

           e2-ninnu mu-na-du3 (*dru)                           das Eninnu, hat er ihm erbaut.

 

VI. Pronomina

a) selbstständige Personalpronomen:

 

altsumerisch

neusumerisch

ab frühaltbabylonisch

Emesal

1.P.Sg.

ŋa2-e

ŋa2

ŋa2-e

me

2.P.Sg.

za-e

za

za-e

ze2

3.P.Sg.

a-ne

a-ne

e-ne

e-ne

1.P.Pl.

*me-de3

*me-(de3)

me-de3-en

me-en-de3(-en)

me-en-de3-en

2.P.Pl.

*me-ze2

*me-ze2

me-ze2-en

me-en-ze2(-en)

me-en-ze2-en

3.P.Pl.

*a-ne-ne

*a-ne-ne

a-ne-ne

e-ne-ne (meist)

e-ne-ne

- Personalpronomen stehen als Subjekt sowohl im transitiven als auch im intransitiven Satz

   im Ergativ, das Objekt eines transitiven Satzes kann nicht durch ein Personalpronomen

   ausgedrückt werden, sondern wenn dann nur durch ein Pronominalsuffix am finiten Verb

- Emphatischer Charakter

- Wenn eine Apposition folgt steht diese mit enklitischer Kopula

- 2.P.Pl. nur lexikalisch belegt

- keine 3.P.Sg.Sk.

 

b) Pronominalsuffixe:

 

altsumerisch

neusumerisch

ab frühaltbabylonisch

1.P.Sg.

-ŋu10

-ŋu10

-ŋu10

2.P.Sg.

-zu

-zu

-zu

3.P.Sg. Pk.

-(a)-ne

-(a)-ne

-(a)-ni

-(a)-ni

3.P.Sg. Sk.

-be

-bi

-bi

1.P.Pl.

-me

-me

-me

2.P.Pl.

 

 

-zu(-e)-ne-ne

3.P.Pl.

-(a)-ne-ne

-(a)-ne-ne

-(a)-ne-ne

Kollektiv 3.P.Pl.Pk.

-bi

 

 

Possessivpronomen: als Prädikate

PRON+/ak/+COP

Bsp.:  ŋa2(-a)-kam   = es ist meins

        za(-a)-kam    = es ist deins

 

c) Demonstrativpronomen:

Klare Trennung in nah- und ferndeiktische Demonstrativpronomen nicht voll durchgeführt.

Dortdeixis:

- -be2 / -bi:     jenes/(jener?)

- -ri:              jenes/(jener?)

Hierdeixis:

- -e:                     dieser/dieses; auch nach vokalischem Auslaut

- -ne(n) / ne(n):     dieser/dieses

- ur5 / ur (e.s.):      dieses, nur sächlich

 

d) Interrogativpronomina

- a-ba: “wer?” (als Absolutiv), a-ba-e Þ a-ba-a (Ergativ)

- a-na: “was?”, in emesal ta/te (nur Absolutiv)

   - a-na-še3 Þ a-na-: “weshalb

   - a-na-am3-ŋu10 Þ nam-ŋu10: „was soll mir das?“

   - a-na-am3 ne-e: „was ist dies?“

   - a-na-gim7: wie? (wie was?)

 

- Interrogative Ausdrücke:

   - me-a: wo?

   - me-še: wohin?

   - me-na-am3: wann?

 

e) Indefinitpronomina:

- X-(a-)na-me: “X:Was ist es?” = alle X, hinter dem Bezugswort als Adjektiv oder allein stehend

   Bsp.: diŋir-na-me: „der Gott: Was ist er?“ = alle Götter

- a-na-me-a-bi: „sein: Was ist es?“ = „alle“, hinter dem Bezugswort

- Mit Negation: „Niemand“, „nichts“

 

f) Reflexivpronomen:

- ni2-X: X selbst

 

VII. Nomen

An das Nomen können Adjektive, Personalpronomen, Pluralendungen und Kasus-Elemente

angehängt werden, die entsprechend den Regeln der Nominalkette anzuordnen sind.

Bildung:

- äußerlich nicht von Verben oder Adjektiven zu unterscheiden

- unveränderlich

- Meist einsilbig, ehemals zweisilbige Wörter können auf eine Silbe geschrumpft werden.

   Beispiel: temen = Fundament Þ ten Þ te = beruhigen

- Wortkopplungen:  z. B. uru-saŋ: Stadt + Kopf = Hauptstadt

                          di-kud(.r): Prozess + entscheiden = Richter

- Nominalisierungssuffix –a:

   Umwandlung von Verbalwurzeln, finiten Verbalformen und ganzen Sätzen in Nomen

 

a) Geschlecht:

- keine Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen in den Kasus, dort wo es

   notwendig ist, gibt es unterschiedliche Wörter

 

b) Klasse:

- Unterscheidung in Personen- und Sachklasse:

   - Personenklasse: Götter, Dämonen, Menschen, Sklaven, personifizierte Gegenstände

   - Sachklasse: Tiere, Gegenstände, Abstrakta

 

c) Numerus:

Singular: kein Kennzeichen

Plural:

 

Personenklasse:

Sachklasse:

kein Kennzeichen

lu2

Mann/Männer

udu

Schaf/Schafe

Verdopplung des Nomens

lu2-lu2

alle Männer,

jeder einzelne Mann

udu-udu

alle Schafe,

jedes einzelne Schaf

Verdopplung des attrib. Adjektivs

(auch Superlativ)

lu2-gal-gal

große Männer

ein sehr großer Mann

udu-gal-gal

große Schafe

ein sehr großes Schaf

-e-ne:

lu2-e-ne

 

Männer

(am häufigsten)

----

 

-me-eš: 3.Pl. der enklit. Kopula

lu2-me-eš

Männer sind sie

----

 

-didli = verschieden (Adj.)

lu2-didli

(einzelne) Männer  verschiedenen Berufs

udu-didli

Schafe verschiedener Eigentümer

-ḫi-a = vermischt

Adjektiv

----

 

udu-ḫi-a 

vermischte Schafe = Schafe verschiedenen Alters und Geschlechts

 

d) Kettenbildung:

1. Substantiv / Regens des Genitivs

2. attributives Adjektiv

3. / Rektum des Genitivs mit Zusatz -ak (kann selbst eine Kette sein)

4. Pronominalsuffix                           

5. Pluralzeichen -e-ne                              

6. Kasuspostposition                                       

x. Enklitische Kopula (ohne Nummer)                

                                       

Bsp.:  e2-gal-lugal-e-ne+ak*

        1 -  2 -   3 (1-5) +ak

        udu-hia-lugal-ŋu10-ak

        1 -  2  -   3 (1–4) +ak

*: Rekonstruierte Form, so nicht belegt

 

 

e) Kasus:

- können auch nur durch die Stellung im Satz gekennzeichnet werden

 

Kasus

Endung

 

Ergativ

-e

Subjekt finiter, transitiver Verben: wer/was?;

Bei Substantiven der Personen- und der Sachklasse;

Bei vokalischem Auslaut fällt –e weg oder wird assimiliert, nach Konsonant kann dieser verdoppelt werden

Dativ

-ra

für wen/wem?;

Nur bei Substantiven der Personenklasse;

Oft ganz weggelassen, -r- wird häufiger assimiliert,

-a fällt nach vokalischen Auslaut häufig weg

Genitiv

-ak

Besitz, Zugehörigkeit; Genitivzeichen an Position 3 der Kette;

Bei Substantiven der Personen- und der Sachklasse;

Nach Vokal fällt –a häufig weg, aber dominant nach Pronomen,

im Wortauslaut und vor konsonantisch anlautendem Suffix schwindet -k

Absolutiv

 

 

Objekt im aktiven, transitiven Satz, der sogenannte „Akkusativ“;

Subjekt im intransitiven und passiven Satz;

Vokativ;

Bei Substantiven der Personen- und der Sachklasse;

Ablativ

-Instrumental

-ta / -da

a) aus, heraus, von     b) instrumental: mit Hilfe von, durch

c) temporal: seit         d) distributiv: mit je ;

Nur bei Substantiven der Sachklasse

Lokativ

-a

in, hinein, bei, im;

Neusum. nur bei Sachklasse, Nachsum. auch Personenklasse;

Nach einem Wort mit –a Auslaut wird es kontrahiert,

färbt den Auslaut anderer Suffixe um;

Lokativ

-Terminativ / Directive

-e

Bezeichnet eine Nähe: an, neben, bei; temporal: am;

Dativ der Sachklasse;

Nur bei Substantiven der Sachklasse;

Färbt andere Suffixe um oder fällt weg (siehe unten);

Terminativ

-*eše Þ

(-eš2) / -še3

Bezeichnet die Richtung: für, zu;

Manchmal auch als Dativ;

Bei Substantiven der Personen- und der Sachklasse;

Komitativ

-da / -de3

Bezeichnet gemeinsames Handeln: mit, gemeinsam;

Bei Substantiven der Personen- und Sachklasse;

Äquativ

-GIM (-gim/

-gin7/-gi18)

Vergleich: wie;

Bei Substantiven der Personen- und Sachklasse;

 

Der vorausgestellte Genitiv:

Bsp.: Normal:               e2-dNin-Ŋir2-su-ka = das Haus des Nin-Ŋirsu

        Vorausgestellt:      dNin-Ŋir2-su-ka e2-a-ni ≈ des Nin-Ŋirsu sein Haus

 

Lokativ-Terminativ:

Beispiel an Pronomen

e2-ŋu10-e Þ    e2-ŋu10-e, e2-ŋu10   e bleibt erhalten oder fällt weg

e2-zu-e Þ       e2-zu-e2,  e2-zu      e wird zu e2-oder fällt weg

e2-a-ni-e Þ    e2-a-ne2 Þ e2-ne2   e verschmilzt zu ne2 und schluckt das –i oder

                    das a fällt zusätzlich auch noch weg

e2-bi-e  Þ     e2-be2                   e verschmilzt zu e2 und schluckt das –i

 

VIII. Zahlwörter

1. Kardinalzahlen:

   Sie stehen nach oder in Wirtschaftstexten auch vor dem Gezählten das stets Singular ist.

   Bsp.: min = zwei

2. Ordinalzahlen:

   Werden durch Anhängung von –ak-am3/-(a-)kam gebildet, zusätzlich kann ein nochmals ein

   pleonastisches -ak angefügt werden Þ -ak-am3-ak

   Bsp.: mina-kam = zweiter

3. Multiplikativzahlen und Zahl“adverbien“:

   Werden durchs Vorsetzen von a-ra2 = Gang Þ Mal, gebildet.

   Bsp.: imin a-ra2-imin = Sieben mal Sieben

   Bsp.: a-ra2-min(a)-am = Zum 2. Mal

4. Distributivzahlen:

    Werden durch nachgestelltes –ta/-ta-am3 bezeichnet

5. Bruchzahlen:

   Entweder durch besondere Wörter oder mit igi-X-ŋal = 1/X-tel

 

 

IX. Adjektive

- stehen hinter den Nomen, Ausnahme kug/ku3 vor Götternamen

- einigen Adjektiven folgt immer, anderen manchmal das Suffix –a:

   Bedeutung unklar, Subordinierung unter das Nomen oder auch Determinierung

- Lassen sich nicht durch ihre äußere Form von Nomen oder Verben unterscheiden:

   Bsp.:  ku3 = rein,  ku3 = Silber

          tur = klein, tur = klein sein/machen

- durch Reduplikation kann der Plural des Bezugswortes oder vielleicht auch ein Superlativ

   ausgedrückt werden.

 

Adverbiale Ausdrücke:

- Adjektive + /-/

   Bsp.:  An kug-ge zid-de3-eš2 mu-ŋar   =     Der strahlende An hat es gerechterweise (dorthin) gesetzt.

- Adjektive + /-bi/

   Bsp.:  lu2 banda3 gibil-bi e2 du3-gin7   =     wie ein junger Mann ein Haus neu baut

- Adjektiv + /-bi/ + /(e)/

   Bsp.:  En.an.e.du7 (...)-me-en (...)      =     Ich bin Enanedu,

           e2-bi gibil-be2-eš ḫu-mu-tu             ich habe in der Tat dieses Haus, neu erschaffen.

- Adverbiale Ausdrücke können auch von Verbstämmen abgeleitet oder durch Nomen gebildet werden.

 

X. Verben

- kommen so gut wie nie allein vor, meist in Form einer Verbalkette mit Präfixen und/oder Suffixen

- sind nicht vom Nomen oder Adjektiv zu unterscheiden

- Adjektive sind auch als Verben verwendbar, gehören dann immer zu den regelmäßigen

   Verben

 

a) Verbstämme und Verbklassen:

                   Verbstämme

Verbklassen

ḫamṭu-Stamm (Grundstamm)

Reduplizierter ḫamṭu

marû-Stamm

Futur-Stamm

(-ed-Stamm)

I. Regelmäßige/Reguläre

Verben/Unveränderliche 

Klasse (50-70%)

šum2

 

šum2-šum2

šum2

šum2+ed

II. Verdopplungsklasse/

    Reduplikationsklasse

     (mehr als 25%)

ŋar

gi4

ŋar-ŋar

gi4-gi4

ŋa2-ŋa2 (Part.Red.)

gi4-gi4

ŋa2-ŋa2+ed

gi4-gi4+ed

III. Stammverändernde/

     Alternierende Klasse

     (nur diese 3)

e3

ri

te/ti

e3-e3

ri-ri

te/ti-te/ti

e3-d

ri-g

te/ti

e3-d+ed

ri-g+ed

te/ti-ŋ+ed

IV. Unregelmäßige/

    Komplementär Verben

dug4 (Sg.)

de6 / tum2 (Sg.)

ŋen (Sg.)

re7 (Pl.)

2 (Sg.)

dug4-dug4

e (Sg.)

tum2, tum3 (Sg.)

du (Sg.)

su8.b (Pl.)

ug5/6

di?

tum2+ed

- die Klassen richten sich nach dem Verhalten im marû-Stamm

 

Verbstämme:

- Der Verbalstamm von Verben ist weder transitiv noch intransitiv, sondern neutral:

   z. B. ku4.r = eintreten (intransitiv); hineinbringen (transitiv)

 

- ḫamtu:

   - akk. ḫamṭu = schnell

   - in finiten und nicht-finiten Verbalformen

   - im Imperativ immer ḫamṭu

   - Funktion: Präteritum, perfekt, punktual, Ereignis

 

- Reduplizierter ḫamtu:

   - Alle Verben, auch die der Reduplikationsklasse werden in der ḫamtu-Reduplikation vollständig

      redupliziert (ŋar-ŋar)

   - Funktion: Plural des Absolutivs, Iterativ, Intensiv

   - Übersetzung: z.B. mit: viele, verschiedene, alle

 

- maru:

   - akk. marû = fett

   - nur in finiten Verbalformen, in nicht-finiten nur +ed

   - Verben der Reduplikationsklasse werden im marû-Stamm redupliziert, einige davon nur teilweise,

      z. B. ŋar Þ ŋa2-ŋa2; dies ist das einzige Verb das im marû mit einem anderen Zeichen geschrieben

wird; die Informationen über andere nur teilweise reduplizierte Verben stammen aus

unorthographischen Schreibungen, oder aus dem Verhalten seiner Suffixe.

   - Funktion: Präsens, Futur, imperfekt, durativ, Prozess

 

- Das Verbal Morphem -ed / Futur:

   - verbunden mit dem Verbalstamm, bei regelmäßigen Verben mit ḫamtu, bei den anderen mit marû

   - erscheint dahinter und noch vor Pronominalen Elementen oder syntaktischen Suffixen

   - es erscheint insbesondere in nicht-finiten Verbformen, aber auch in finiten, dann insbesondere mit

      intransitiven Verben

   - -ed  wird nie -ed geschrieben:

      - nach Konsonanten: -e, nach u-haltigen Verben häufig auch -u

      - Zwischen Vokalen: -d[v]

   - Übersetzung: futurisch

 

- Reduplikationen:

   - Unvollständige Reduplikationen:

Es gibt unvollständige Reduplikationen bei denen nicht klar ist, ob es sich um reduplizierten

ḫamṭu oder marû handelt: z. B. ḫal Þ ḫal-ḫa; la-aḫ Þ la-la-aḫ; tuk4 Þ tu-ut-ke (tuk4-tuk4)

   - Verdreifachung oder Vervierfachung:

      Intensive oder Iterative Bedeutung

 

b) Verben mit bestimmtem Numerus:

- Einige Verben kommen nur im Singular oder nur im Plural vor. Ihr bestimmter Numerus bezieht sich

   dabei immer auf den Absolutiv.

- Ausnahme: sprechen

   dug4 (Sg. ḫamṭu) Þ e (Sg. marû)

   e (Pl. ḫamṭu) Þ e (Pl. marû)

 

c) Finite Verbformen:

Eine finite Verbalkonstruktion hat eine Präfixkette und pronominale Elemente im Gegensatz zu der

nicht-finiten Konstruktion. Das finite Verb hat drei Konjugationen: die intransitive Konjugation,

die transitive ḫamṭu- und die transitive marû-Konjugation. In Ausnahmefällen kommen auch finite

Verbalformen ohne Präfixkette vor, allerdings erst ab altbabylonisch und dann nur in literarischen Texten.

 

Modale Präfixe/Präformative:

- modale Präfixe geben dem Verb bei ḫamtu oder marû unterschiedliche Bedeutungen

- sie schließen sich gegenseitig aus

 

Präfix

Stamm

Bedeutung

Übersetzung

 

ba-ra-

ḫamṭu

negierter Affirmativ

tatsächlich nicht

nur 1. und 3. P.

ba-ra-

marû

Vetitiv: neg. Prekativ /

          neg. Kohortativ

nicht sollen

nicht wollen

nur 1. P.

ga-/(ge4-/gu2

emes.: da-/du5)

ḫamṭu

Kohortativ

wollen

nur 1. P. Sg./Pl.

ḫe2-/ḫa-/aB ḫu-

(emes. da-/de3-/du5-)

ḫamṭu

Affirmativ

(Bei intransitiven Sätzen auch Prekativ)

tatsächlich,

in der Tat;

(mögen, sollen)

ḫv: Vokalassimilation an den folgenden Vokal;

nur 1. und 3.P.

ḫe2-/ḫa-/aB ḫu-

marû

Prekativ

mögen, sollen

ḫv: Vokalassimilation an den folgenden Vokal;

nur 2. und 3. P.

iri-

marû

?

?

aB und später

na-

ḫamṭu

Affirmativ

tatsächlich,

in der Tat

vor –ba-, –bi- und mu-

Þ auch nam-

na-

marû

Prohibitiv:

negierter Prekativ /  

negierter Imperativ

 

nicht mögen

nicht sollen

vor –ba- und –bi-

Þ auch nam-;

keine 1.P.Sg.

nu-

ḫamṭu, marû

Negation

nicht

vor -ba- und –bi-

Þ la- und li-; auch vor nicht finiten V.f.

nu--

ḫamṭu, marû

hypothetischer Wunsch? / Frustrativ

 

Altbab. und später;

nur in direkter Rede

ša-/ši-/(šu-)

ḫamṭu,

marû

Affirmativ?

?

?

selten;

šv: Vokalassimilation an den folgenden Vokal

u-,u3/i3-/a-

ḫamṭu

Prospektiv;

Konditional

nachdem;

wenn

v: Vokalassimilation an den folgenden Vokal

 

Konjugationspräfixe:

- Bedeutungsunterschiede verwischen ab der Ur-III-Zeit

Präfix

Bedeutung

 

a-

altes Konjugationspräfix für /i-/ oder al-

 

al-

Bedeutung unklar, akkadisch gern mit Stativ übersetzt; meist intransitiv;

allein mit Wurzel, Ausnahme nach u-;

stark in Nippur

(-)ba/ba4-

oft mit einem Ort;

bevorzugt vor Infixen mit Sachklasse Bezug, bevorzugt intransitiv

b+a-?;

nach /i-/(ga) Þ i3-ma-, im-ma-

(-)bi/bi2-

wenn mit Kasuselementen, dann häufig mit Lokativ-Terminativ

b+i/e-?;

nach /i-/(ga) Þ i3-mi-, im-mi-

i-, i3-

-ga-: auch, und dann

-m-: Ventiv?

nicht mit der 1.P.

(-)mu-

Bewegung her: Ventiv

bevorzugt transitiv;

bevorzugt vor Infixen mit P.klasse Bezug

auch nach /i-/(ga)-;

 

 

Die dimensionalen Verbalinfixe:

- Diese Infixe beziehen sich entweder auf ein Wort mit dimensionalem Kasus im nominalem

   Satzteil (Rückverweis) oder geben der Verbalwurzel einen etwas anderen Sinn.

- Vor das Kasuszeichen können pronominale Elemente gesetzt werden:

           

Singular

Plural

Kollektiv

1.P.

- ? -

- me -

 

2.P.

- e - 

- e-ene -

 

3.P.Pk.

- n - 

- ene -

- b -

3.P.Sk.

- b -

-

 

- Von den dimensionalen Infixen können mehrere in derselben Verbalform vorkommen. Man

   findet sie stets in derselben Reihenfolge:

   1. Lokativ/Dativ-Infix:         -(r)a-

   2. Komitativ-Infix:              -da/ta-

   3. Ablativ-Infix:                 -ra-  / Ablativ-Instrumental-Infix:   -ta-

   4. Termintiv-Infix:             -še3/ši-

   5. Lokativ-Terminativ-Infix: -e-

   6. Lokativ 2

 

1. Das Lokativ/Dativ-Infix:

- Das Lokativelement in der Präfixkette kann sich auf Nomen mit den Kasusinfixen des Lokativ,

   des Lokativ-Terminativ und des Terminativ beziehen.

- 1./2.P.Pl sind nicht belegt bzw. nicht von den Lokativ-Terminativ-Infixen zu unterscheiden

 

Konjugations-präfix

Pronominales Element + ggbf. Hiatustilger –r-+ dimensionales Infix

 

1.P.Sg.

mu-

-?+a-

Þ mu-a- Þ ma-

2.P.Sg.

mu-

i3-

-e+r+a-

Þ mu-ra Þ ma-ra-

Þ e-ra- / i3-ra-

3.P.Sg.Pk.

mu-

i3-

-n+a-

 

Þ mu-na- / (altb.) mu-un-na- Þ in-na-

3.P.Sg.Sk.

i3-

-b+a-

Þ i3-ma / im-ma-

3.P.Pl.Pk.

mu-

i3-

-ene+a-

Þ mu-ne(-a) / mu-na-a

Þ e-ne-a / e-na-a

 

2. Das Komitativ-Infix:

- Die Komitativpostposition -da- erscheint häufiger auch als -ta-

- Vor oder nach i- oder aB auch nach e-haltigen Infixen wird -da- häufiger zu -di- oder -de3-

- häufig bei Verben des Fühlens

 

Konjugations-präfix

Pronominales Element + dimensionales Infix

 

1.P.Sg.

mu-

-?+da-

Þ mu-da-

2.P.Sg.

mu-

i3-

-e+da-

Þ mu-da-, na.s. auch mu-e-da- / me-da-

Þ e-da- / i3-da-

3.P.Sg.Pk.

 

mu-

i3-

-n+da-

 

Þ mu-da- / mu-un-da

Þ in-da-

3.P.Sg.Sk.

i3-

-b+da-

Þ e-da- / i3-da-,

ab n.s. auch ib-da- / ib2-da- / im-da-

1.P.Pl.

mu-

-me+da-

Þ me-da (nach Falkenstein)

2.P.Pl.

nicht belegt

3.P.Pk.Pl.

 

3. Das Ablativ-Infix (Falkenstein S.49, Thomsen § 465-469)

- Das Ablativ-Infix -ra-/(-ri-) ist ziemlich selten

- wird nur in Bezug auf Wörter der Sachklasse benutzt

- hat keine Entsprechung bei den Postpositionen des nominalen Satzteils

- ohne pronominalen Elemente, zu erwarten wären -b- oder –m-

- die Präfixkette ba-ra kann als Schreibung für ein Ablativ-Präfix *b-ra aufgefasst werden

- das Infix -ra- wird vereinzelt pleonatisch neben dem Ablativ-Instrumental-Infix gesetzt

- Bedeutung: nicht instrumental, sonst wie der Ablativ-Instrumental

- Belege: Thomsen § 466f.

 

4. Das Ablativ-Instrumental-Infix (Thomsen § 460-464)

- Das Ablativ-Instrumental-Infix -ta- lautet manchmal auch -da-

- es kommt nur in Bezug auf Nomen der Sachklasse vor

 

Konjugations-präfix

Pronominales Element + dimensionales Infix

 

3.P.Sk.Sg.

i3-

-b+ta-

Þ i3-ta, ab n.s. auch ib-ta- / ib2-ta- / im-ta-

 

5. Das Terminativ-Infix (Falkenstein S.48f., Thomsen § 451-458)

- Das richtungsanzeigende Element lautet -še3-, ab neusumerisch meist -ši- geschrieben

 

Konjugations-präfix

Pronominales Element + dimensionales Infix

 

1.P.Sg

mu-

-?+ši

Þ mu-ši-

2.P.Sg

mu-

-e+ši

Þ mu-ši-, na.s. mu-e-ši-

3.P.Pk.Sg.

mu-

i3-

-n+ši

 

Þ mu-še3-/ši-, nachs. häufig mu-un-ši

Þ a.s. e-še3-, a.b. in-ši-

3.P.Sk.Sg.

i3-

-b+ši-

Þ e-ši-, ab ne.s. ib-ši- / ib2-ši- / im-ši-

1.P.Pl.

 

nicht belegt

2.P.Pl.

3.P.Pk.Pl.

 

6. Das Lokativ-Terminativ-Infix

- Das Lokativ-Terminativelement in der Präfixkette kann sich auf Nomen mit den Kasusinfixen

   des Lokativ-Terminativ und des Lokativ beziehen

- Oberhuber fasst in Sammlung Göschen Band 708 Tabelle nach S. 40 das Element -e- als

   Kausativelement auf

 

Konjugations-präfix

Pronominales Element

+ ggbf. Hiatustilger –r-

+ dimensionales Infix

 

1.P.Sg.

mu-

-?+e-

Þ mu(-u3)-

2.P.Sg.

mu-

i3-

-e+r+e-

Þ mu-re-

Þ e-re- / i3-re-

3.P.Pk.Sg.

mu-

 

bi2-

-n+e- Þ -ni-

(F.s., aber Th. § 470ff.)

Þ mu-ni-

 

Þ mi-ni- (Th. § 474)

3.P.Sk.Sg.

mu-

i3-

-b+e-

Þ mu-ni- (Fs., aber Th. § 470ff.)

Þ a.s. e-me- / i3-mi-, ab n.s. im-mi-

1.P.Pl.

mu-

-me+e-

Þ me(-e)-

2.P.Pl.

nicht belegt

3.P.Pk.Pl.

mu-

i3-

-ene+e-

Þ mu-ne-

Þ e-ne- / i3-ne

 

Das transitive Verb

- altbabylonisch wird der Unterschied zwischen transitiv und intransitiv nicht mehr so genau beachtet

 

Präsens-Futur im marû-Stamm

- beim transitiven Verb: 2 Partizipanten

 

Personalaffixe:

 

Singular

Plural

1.P.

√ -en Þ -e /-n /-Ø

√ - en-de3-en Þ -e-de3 / en-de3 / e-de3-en

2.P.

√ -en Þ -e /-n /-Ø

√ - en-ze2-en Þ -e-ze2 / en-ze2 / e-ze2-en

3.P.

√ -e Þ

√ - e-ne         Þ -ne

- Bei vokalischem Auslaut kann in der 1-3. Person Sing. die Endung wegfallen.

- Bei vokalischem Auslaut kann sich das -e- umfärben.

- Bei einem -u- in der Verbalwurzel kann sich das -e- auch zu -u- umfärben.

 

Beispiele:

- mu-de2-en = Ich/Du gieße/gießt aus

- mu-pa3-pa3-de3-en = Ich/Du rufe/rufst wiederholt

- mu-sum-en/en/e Þ (Assimilation) mu-sum-mu = ich/du/er gebe/gibst/gibt

 

Präteritum im ḫamṭu-Stamm

- beim transitiven Verb: 2 Partizipanten

 

Personalaffixe:

 

Singular

Falkenstein

 

van Dijk

1.P.

- ? (Vokal) - √

- e(n) - √

2.P.

          - e - √

- e(n) - √

3.P.Sg.Pk.

          - n - √

 =

3.P.Sg.Sk.

          - b - √

 =

 

Plural

Falkenstein

 

Thomsen

1.P.Pl.

(- me - √)

- ? - √ - en-de3-en

2.P.Pl.

- e - √ - a -(e)ne

- e - √ - en-ze2-en

3.P.Pl.Pk.

- n - √ -

=

3.P.Pl.Pk. Kollektiv

-b-√

 

Bsp.:

1.P.   i3-          du3 = Ich/Du/Er baute/st

       i3 -?/e/n -√

        šu-zi ma-   ra-a-ŋar = Ich setzte dir die rechte Hand = Ich machte dir alles recht

                mu-e-ra-?-√

        ša3-bi nu-      zu = Ich kannte nicht dieses Innere = Ich kannte nicht den Sinn davon

                nu-i3-?-

2.P.    i3- tud-e = Du hast mich geboren

        i3-e-√-en (Akk.)

3.P.   ma-     an-ŋal2 = Er ließ mir vorhanden sein

        mu-?+a-n-√

 

Futur:

- durch das Verbal Morphem -ed ausgedrückt

- verbunden mit dem Verbalstamm, bei regelmäßigen Verben wird es mit dem ḫamṭu-Stamm

   kombiniert, bei anderen Verben mit dem marû-Stamm

- erscheint dahinter und noch vor Pronominalen Elementen oder syntaktischen Suffixen

- es erscheint insbesondere in nicht-finiten Verbformen, aber auch in finiten, dann insbesondere

   mit intransitiven Verben

- -ed  wird nie -ed geschrieben:ṭ

   - nach Konsonanten: -e, nach u-haltigen Verben häufig auch -u

   - Zwischen Vokalen: -d[v]

 

Akkusativ- / Absolutiv-Infixe und -Suffixe:

(nach Thomsen)

 

Singular

Plural

1.P.

√ -en Þ -e

√ - e(n)-de3-(en)

2.P.

√ -en (nicht belegt)

√ - e(n)-ze2-(en)

3.P.Pk.

-n-√  (nicht sicher belegt)

√ -

3.P.Sk.

-b-√

 

- Die Akkusativinfixe der 3.P.Sg. stehen an der gleichen Stelle wie die Personalaffixe des Präteritums

   und verdrängen sie deshalb.

 

Das intransitive (1 Partizipant) und passive Verb:

Die „Normalform“

- wird mit dem marû- und ḫamtu-Stamm benutzt

 

Singular

Plural

1.P.

√ -en Þ -e

√ - e(n)-de3-(en)

2.P.

√ -en Þ -e / -Ø

√ - e(n)-ze2-(en)

3.P.

√ - Ø

√ -

 

(nach Edzard)

marû:

 

Singular

Plural

1.P.

-(e)n-√

?

2.P.

-(e)n-√

?

3.P.Pk.

-n-√

-ne-√

3.P.Sk.

-b-√

 

 

ḫamṭu:

 

Singular

Plural

1.P.

√ -en

√ - enden

2.P.

√ -en

√ - enzen

3.P.Pk.

√-Ø

√ -

3.P.Sk.

√-Ø

 

 

d) Das Subordinationssuffix –a: (Thomsen § 484-485)

Ein Satz wird durch Nominalisierung untergeordnet. Er wird dadurch zu einer festen Einheit,

die z. B. in den Genitiv gesetzt werden kann oder in präpositionale Wendungen eingesetzt wird.

Übersetzung nach dem Kontext.

1.) Subjunktiv: bei indirekter Rede

  

Bsp.:  

la-ba-ŋi4-ŋi4-da

(*nu-ba-VV(m)-ed-0-a)

PN-e mu-lugal-bi in-pa3

Ur-dLama ensi2-ke4

e2-PN-ka in-na-sum-ma-a

(*i3-n+a-V(h)-a-a? (Lokativ)) PN2 maškim-e nam-erim2-bi in-ku4

=

 

 

=

dass er (auf diese Angelegenheit) nicht zurückkommen werde,

 

hat PN beim Namen des Königs geschworen

dass Ur-Lama, der Stadtfürst,

das Haus dem PN gegeben hat,

hat PN2, der Kommissar, durch Eid bestätigt

           

2.) Relativ: (Thomsen § 486)

   Personenklasse: lu2 = Mann, jemand; Sachklasse: ni3 = Sache  (können auch fehlen)

Bsp.:  

lugal lu2 e2 in-du3-a (*i3-n-du3(ḫ)-a) ba-uš2 gidri ni3 lugal-e

mu-na-dim2-ma u2-gu ba-de2

Ohne lu2:

bi2-in-du11-ga

ki-tuš na-an-du10-ge     

=

=

 

 

=

der König, der den Tempel baute, ist gestorben das Szepter, das der König ihm (der Gottheit) hat anfertigen lassen, ist verloren gegangen

(derjenige, der) ... gesagt hatte,

soll keine gute Wohnstatt haben

                                      

3.) Temporalsätze: (Thomsen § 490)

   a) u4 ... V-a-a (Lokativ) = am Tage: … “geschah“ Þ als, wenn, nachdem

Bsp.:  

u4 dnin-ŋir2-su-…ke4 uru-inim-gi-na

nam-lugal-lagašaki

e-na-sum-ma-a (*(=i3)-n+a-(n)-V-a-a)

ša3-lu2-šar2-u-ta šu-ni

e-ma-ta-dab5-ba-a

(*e-b+a-(b)-ta-(n)-V-a-a)

nam-tar-ra u4-bi-ta

e-še3-ŋar

u4 temen-ŋu10 ma-si-ge4-na

(*mu-?+a-si-g-g-en-a-a)

e2-ŋu10 u4 šu-zi ma-ši-tum3-da

(*mu-?+a-()+ši-V-ed-0-a-a)

... im si ma-ra-ab-sa2-e

(*mu-e+ra-b-V-en)

=

 

 

 

 

 

 

 

=

als Nin-Ŋirsu dem Uruinimgina

das Königsamt von Lagaš

gegeben hatte (und) als er

aus der Mitte von 3600 Menschen

seine Hand gefasst hatte, hat er die

 

Schicksalsentscheidung von früher

wieder in Kraft gesetzt

wenn du mein Fundament eintiefen wirst,

 

wenn (der Bau) meines Hauses richtig beginnt

(wö.: wenn die rechte Hand für mich gebracht wird)

... (dann) werde ich dir günstige Winde wehen lassen (wö.: werde ich die Winde dir richtig machen)

  

   b) u4 ...-V-a-ta (Abl.-Instr.)        = vom Tage als … Þ nachdem, seit

       eger ...-V-a-ta                     = von der Rückseite von ... Þ nachdem, seit

Bsp.:  

u4 e2-gal-e ba-ab-tum2-ma-ta

(*ba-b-V-a-ta) igi nu-ni-du8-a

... nam-erim2-am3

LUM (=eger5?) in-tag4-a-ta (*i3-n-V-a-ta) Ohne u4 oder eger:

ba-gara2 ... im-ti-a-ta (*i3-b+<e>?-V-0-a-ta)

ninda ŋiš bi2-tag

dšul-gi-me-en ba-tu-de3-en-na-ta

(*ba-V-en-a-ta) nita-kal-ga-me-en

=

 

 

=

 

=

 

=

dass er, seit ihn der Palast weggenommen hatte, ihn (PN) nicht mehr gesehen hat,

hat (PN2) beschwore

seit er sie verlassen hatte

 

nachdem er sich dem Bagara genähert hatte,

opferte er Brot

ich bin Šulgi, seit ich geboren wurde,

bin ich ein starker Mann

  

   c) en-na ... V-a-a (Lokativ) = bis

       en-na ... V-a-še3 (Terminativ) = bis

Bsp.:  

ur-dŋa2-tum3-du10-ke4 en-na ib2-be2-a,

(*i3-b-e-e-a-a) 0.1.0 še (gur-)lugal-ta

ḫa-ba-ab-sum-mu

=

bis U. sprechen/befehlen wird,

soll er jeweils 60 (Liter) Gerste

(als Monatsration) geben

                         

4.) Kausalsätze: (Thomsen § 491)

   a) bar ...V-a-ak-eš2/še3 (*eše) (Terminativ) = weil

       bar ...V-a-ak-a (Lokativ) = weil

Bsp.:  

lu2-dub-ru-um-ma-ke4

dutu-ḫe2-ŋal2 bar lugal

den-lil2-le a2 sum-ma i3-me-a

i3-zu-a-ke4­-eš2 (*i3-(n)-zu-a-ak-še3)

bar še-bi nu-da-su3-su3-da-ka …

(*nu-i3-(b?)+ta?-(n)-V-V-a-ak-a)

Ur-lum-ma (…-e) e-ki-sur-ra-

dnin-ŋir2-su-ka … a-e i3-mi-e3

Ohne bar:

ur-saŋ-ug5-ga i3-me-ša-ke

(*i3-me-eš-a-ak-eš2)

a2-nun-ŋal2 za3-še-ni-še ḫul2-la

i3-me-na-ke4-eš (*i3-me-en-a-ak-eš2)

=

 

 

 

=

 

 

 

 

=

 

=

weil die Leute von Dubrum wussten,

dass Utu-ḫengal ein König ist,

dem Enlil Kraft gegeben hatte, …

 

weil er diese Gerste nicht zurückerstatten (?) konnte,

leitete Urlumma ... zum Grenzgraben

des Nin-Ŋirsu (und zum…) Wasser ab

 

weil sie tote Helden sind

 

weil ich (Šulgi) der Starke bin,

der sich über seine Lenden(kraft) freut

 

   b) mu ...-V-a-eš2/še3 = weil, da

Bsp.:  

mu inim ni-u3-zu bi2-in-ne2-ša-še3

(bi2-n-V-eš-a-še3) ŋeme2

PN dumu PN2-ka ba-na-gi-in

=

da sie sagten, sie wüssten nichts von dieser Angelegenheit, wurde die Sklavin

dem PN, Sohn des PN2 zugesprochen

 

5.) Verb + a + Personalpronomen + Kasus-Postposition: Thomsen § 493

   Da das Verb + Subordinationssuffix –a grammatisch wie ein Substantiv behandelt werden

   kann, kann daran ein Personalpronomen gehängt werden.

Bsp.:  

lugal lu2 e2 in-du3-a (*i3-n-du3(ḫ)-a) ba-uš2 ŋišdur2-ŋar lu2 mu-na-gub-a-ni

(*mu-n+a-(n)-V-a-a-ni)

saḫar-ra ḫe2-em-ta-tuš

ni3-maš-ŋi6-ke4 ma-ab-de6-a-ŋa2

ša3-bi nu-zu (*mu-?-a-b-V-a-ŋu10-ak, vorausgestellter Genitiv abhängig von ša3-) mu-lugal u4 ba-zaḫ2-de3-na-ŋa2

(ba-V-en-a-ŋu10-a, Lokativ)

nir-da ḫe2-a bi2-in-du11

ni3 ŋa2-e i3-zu-a-ŋu10 (*i3-?-V-a-ŋu10)

u3 za-e in-ga-e-zu

=

=

 

 

=

 

 

=

 

 

=

der König, der den Tempel baute, ist gestorben sein Thron, den ihm jemand errichtet hat,

 

soll im Staube liegen

Von dem, was mir der Traum gebracht hat, weiß ich nicht den Sinn

 

unter Eid beim König: wenn ich fliehe,

 

so ist es in der Tat ein Vergehen, erklärte er was ich weiß (wö.: meine Sache, die ich wusste), weißt du in der Tat ebenso

 

6.) Konditionalsatz mit tukum-bi = wenn:

   - Kein Subordinations -a, sondern ḫamṭu-Form oder eine Normalform

Bsp.:  

-zi-ga tukum-bi nu-gub-be2-en3

(*nu-i3-V-en)

mu-lugal-la di-til-a ḫe2-a-bi2-du11

še-bi e2-gal-še3

im-ma bi2-in-gi

im-ba igi u3-bar tukum-bi

nu-ub-sar (*nu-i3-V-en)

ur-me-me-ke4 ib2-su-su

=

 

 

=

wenn du am Morgen nicht erscheinst, wird

 

unter Eid beim König ein Urteil gefällt werden

diese Gerste hat er (Urmeme) dem Palast auf die (Abrechnungs)Tafel gesetzt.

Wenn sie sich auf dieser Tafel findet (ist es gut),  wenn er/sie darauf nicht aufgeschrieben hat,  wird sie Urmeme ersetzen.

       

e) Das Verb me = „sein“:

- Finit: regelmäßig intransitiv gebildet

   - ḫe2-am3 = es möge sein, ist möglicherweise finit zu rekonstruieren: ḫa-i3-me

- Nicht-finite Formen:

   - nu-me-a = nicht seiend

     in der Wendung …-da nu-me-a = „ohne ...“

     Bsp.: kur-gal den-lil2-da nu-me-a = ohne den großen Berg Enlil

 

- ga-nam-me-am3 = er/sie/es ist es in der Tat

     Þ infinit: ga(Koh.)-na(Aff.)-me-a-am3  oder finit: ga-na-i3-me-(-0)-am3

 

f) Die Enklitische Kopula:

- enklitische Form des Verbs me, die unmittelbar an Nomen, Adjektive, Pronomen,

   Postpositionen und Verben angehängt werden kann

- Unterschiede in der Form zum finiten Verb nur in der

3. P. Sg.

-am3 / a.s. –am6

   - das a- wird an den vorausgehenden Vokal assimiliert:

     Bsp.: nu-ani-am3 Þ mu-ni-im = sein/ihr Name ist

   - am3 verbindet sich mit der Genitivpostposition –ak- zu –(a)-kam

   - und mit dem Verbalsuffix –ed- zu –(e)-d-dam

   - kann aber auch einen d-Auslaut eines Verbs, Adjektivs oder Substantivs aufnehmen:

     Bsp.: ud-am3 Þ ud-dam = Sturm ist es

             danzu-dam = der Anzu-Vogel ist es

- die Endkonsonanten der 1. und 2. Sg. und der 3.P.Pl. werden im 3. Jt. in der Regel nicht geschrieben:

   Bsp.: sipa-me

   Þ 1.P. Sg. sipa-me-en = Ich bin Hirte

   Þ 2.P. Sg. sipa-me-en = Du bist Hirte

   Þ 3.P. Pl. sipa-me-eš2 = Sie sind Hirten

- Die enklitische Kopula kann auch nur zur Betonung angehängt sein, so z. B., wenn sie an ein finites Verb angehängt wird.

 

g) Extended Imperativ: (Thomsen § 495-499)

Der Imperativ wird dadurch gebildet, dass die Präfixkette an die Verbalwurzel im ḫamṭu-Stamm angehängt wird.

Bsp.:  ma-ab-sum = du gabst es mir

        Þ  sum-ma-ab = gib mir es

        ib-zi = du zerstörtest sie

        Þ  zi-ra-ab = zerstöre sie

        Das Konjugationspräfix i- erscheint im Imperativ in seiner wohl ursprünglichen Form a-.

Plural: wie der Singular nur hinten dran -enzen, nach Konsonant: -zen

- bei dem Verb du11 wird auch im Plural diese Basis verwendet und nicht die übliche

   Pluralform e, ebenso bei ŋen / e.re7

- Achtung: Auslaute der Verbalwurzel tauchen auf und verschmelzen mit dem Konjugationspräfix

- Unextended imperativ: Basis + √

 

h) Nicht finite Verbformen: Partizip, Infinitiv

- Thomsen §§ 500ff.

- Nicht-finite Verbformen besitzen keine Präfixkette, können allerdings mit dem Modalpräfix

   nu- verneint werden

- Das Verb besitzt entweder gar keine Affixe oder nur Suffixe (z.B. -a, -ed)

- Nicht-finite Verbalformen werden je nachdem als „Partizip Aktiv“ oder „Passiv“ oder aber

   „Infinitiv“ übersetzt

- Thomsen § 501

 

ḫamṭu

Reduplizierter ḫamṭu

marû + /ed/

1. Asyntaktisch

(§§505-511)

V

V-V

V(m)-ed

2. Subordiniert

(§§ 512-523)

V-a

-

V(m)-ed-a

3. “Pronominale Konjugation”

(§§ 519-521)

       ani

V-a- bi

       anene

-

                ani

V(m)-ed-a- bi

                anene

V-a- ŋu -da

       zu

V-V-ŋu-da

V(m)-ed-a- ŋu -da

                zu

4. (§§ 524-525)

-

-

V(m)-ed-e

5. mit enklitischer Kopula

V-Kopula

V-V-Kopula

V(m)-ed-Kopula

 

1. Asyntaktische Konstruktionen: Wurzel ohne Affixe, ohne Kasuspostposition

- kann als „Partizip Aktiv“ übersetzt werden

- ḫamṭu:

   Bsp.: lu2     a2     tuku =     ein Mann, der Kraft hat

           (lu2-e  a2 in-tuku =     ein Mann hat Kraft)

           dub sar             =     einer, der Tafeln schreibt = Tafelschreiber

           diŋir saŋ zig3     =     ein Gott, der das Haupt erhebt

 

- marû +ed:

   - der futurische Charakter von -ed erscheint offenbar nicht in den nicht-finiten Formen

   Bsp.:  nin an-ki-a nam tar-re-de3 =     die Herrin, die in Himmel und Erde das Schicksal

                                    √-ed-Erg.     (jetzt und in Zukunft?) entscheidet

 

2. Subordinierte Konstruktionen: (Falkenstein §25, Thomsen §512-518, 522-523)

- mit dem Suffix –a

- zum Teil sind sie von der ḫamṭu-Basis und zum Teil von der marû-Basis (marû+/ed/) gebildet

 

Subordinierte ḫamṭu-Formen:

- steht in Beziehung zu einem Nomen und ist diesem untergeordnet

a) Verb (ḫamṭu) + /a/ meist als „intransitives und passives Partizip“ bezeichnet.

   Nomen, V+a:

   Bsp.:  utu e3-a                          =     die aufgehenden Sonne

          inim du11-ga                    =     das gesprochene Wort

          di til-la                           =     abgeschlossene Rechtssache

          igi-zu-še3 dusu-ku3 gub-ba =     der heilige Tragkorb, der vor dir steht

          kur a-ta il2-la                   =     der Berg, der sich aus dem Wasser erhebt

          an-gin7 dim2-ma              =     wie An erschaffen

          ŋišapin-bi til-la                  =     dieser fertige (kaputte) Pflug

                                                      Þ dieser Pflug ist fertig (kaputt)

 

b) Nomen, Nomen im Ergativ, V+a: sogenannte Mes-anne-pada-Konstruktion

   Bsp.:  mes an-ne2-pad3-da                =     junger Mann, berufen von An

          e2-ninnu an-ne2 ki-ŋar-ra         =     Eninnu, gegründet von An

          u-a-uri5ki-ma den-lil2-le ŋar-ra   =     Versorger von Ur, eingesetzt von Enlil

          inim an-ne2 du11-ga                =     Wort, von An gesagt

 

c) Nomen, V+a – Nomen – ak(Genitiv)

   Bsp.:  Gudea tu-da dŋa2-tum3-du10-ga-kam =     Gudea, der von Ŋ. geborene, ist er.

          gidri sum-ma den-lil2-la2           =     Szepter, gegeben von Enlil

          ŋeštu sum-ma den-ki               =     (mit) Verstand versehen von Enki

 

d) logisches Subjekt, Nomen, Verb+a

   Bsp.:  lu2 e2-du3-a                           =     der Mann, der das Haus erbaut hat

           en a-ḫuš ŋi4-a                        =     Herr, der das wilde Wasser zurückwendet

          ama dumu-ni gu3 a2-zi de2-a,   =     eine Mutter, die ihr Kind schilt,

          dumu ama-ani-ir ka-du3-a du11-ga = ein Kind, das zu seiner Mutter halsstarrig redet

          nin iri-da mu2-a                     =     die Herrin, die mit der Stadt gewachsen ist

 

Subordinierte marû-Formen:

-  Diese Formen sind meistens einem Verb des Sagens oder Befehlens direkt untergeordnet.

-  Durch das Morphem /ed/ wird offenbar hervorgehoben, dass die Handlung noch nicht

   stattfand, also noch in der Zukunft liegt.

   Nomen, Verb (marû)-ed-a:

   Bsp.:  e2-a-ni du3-da (*du3-ed-a) ma-an-du11 = er befahl mir, sein Haus zu bauen

          1 2/5 še gur-lugal            =     (er wurde dazu verurteilt), 1 2/5 Gerste (nach

            mu-a su-su-dam                   dem) königlichen gur-Maß im Jahr zu ersetzen.

          itu-sig4-ga ŋi4-ŋi4-da         =     er leistete den Eid beim König darauf,

            mu-lugal-bi in-pa3                 (das Darlehen) im Monat sig4 zurückzuzahlen      

            

3. Die pronominale Konjugation: (Falkenstein § 27; Thomsen §519-521)

- Fast nur in literarischen Texten belegt.

- Rekonstruierte Formen:

   V(ḫamtu)-a-Possessivsuffix

   V(marû)-ed-a-Possessivsuffix

- Das Possessivsuffix kennzeichnet das Subjekt des Verbs.

- Die pronominale Konjugation dient meistens als Temporalsatz, der eine Handlung gleichzeitig oder

   unmittelbar vor der Handlung des Hauptverbs beschreibt.      

   Übersetzung: als, wenn, sobald

- An die Form der 1. und 2.P.Sg. wird meistens das Element -de3 angehängt.

   Diese Form erscheint nicht vor der altbabylonischen Zeit. -de3 ist wahrscheinlich die

   Komitativpostposition -da oder die Ablativ-Instrumentalpostposition –ta.

   Nach –de3 kann keine Postposition mehr folgen.

Bsp.:  1.P.Sg.:  ka2-e2-gal-la-še3 ŋin-a-ŋu10-de3     = als ich zum Tor des Palastes kam

                    ku4-ku4-da-ŋu10-de3                     = als ich eintrat

                    (ku4.ku4-ed-a-ŋu10-da)  

     2.P.Sg.:    a-ša3 a de2-a-zu-de3             = wenn du das Feld bewässerst

                    gu3-nun-di-zu                      = du ruft laut

     3.P.Sg.:    ri-ba-ni                               = er ist übergroß

                    ur-saŋ e2-a-na ku4-ku4-da-ni  = wenn der Held sein Haus betritt

                    (ku4.ku4-ed-a-ani)

                    dba-ba6 a2-na2-da-ka-na ku4-ra-ni  =     Als Baba an ihre Seite des Bettes getreten war

                    (ku4.r-a-ani)                                    

                    PN abul-la e3-da-ni               = sobald PN aus dem Stadttor herausging

     3.P.Pl.:     anše dib2-ba-ne-ne               = sie griffen sich Esel

  

4. Nomen, Verb (marû) -ed -e:

Im Gegensatz zu den Konstruktionen mit Verb -ed -a ist das Subjekt von Verb -ed -e in der Regel mit

dem Subjekt des Hauptsatzes identisch.

Bsp.:  e2 du3-de3 (*du3-ed-e)               =     um den Tempel zu bauen, wirst du keinen

          igi-zu u3-du10-ga nu-ši-ku4-ku4         wohltuenden Schlaf in deine Augen eintreten lassen

        (als Schicksal von Ur beschlossen die   =    

          großen Götter) u4 šu-bal-aka-ŋiš-ḫur       die Tage zu ändern, die Pläne zu

           ḫa-lam-e-de3 uru gul-gul-lu-de3             zerstören, die Stadt zu ruinieren

 

5.: Nicht-finite Formen mit der enklitischen Kopula: (Thomsen § 526)

- auch an nicht-finite Formen kann die enklitische Kopula angehängt werden

 

i) Die Direkte Rede: (Thomsen S. 279 § 548)

Partikel der Direkten Rede, nicht vor der altbabylonischen Zeit, hauptsächlich in Sprichwörtern,

Fabeln, und Eduba-Kompositionen: Suffix -e-še

 

Literatur:

Grammatik, Zeichen und Vokabeln:

- Borger: HKL 1-3 &/ Cf 203/1

- Einführung: Frühe Schrift und Techniken der Wirtschaftsverwaltung im alten Vorderen Orient

- Falkenstein: Keilschriftforschung und alte Geschichte Vorderasiens

- INIM KI-EN-GI II: Wörterbuch

- Jestin: Abrege de grammaire Sumerienne

- Labat: Zeichenliste

- Römer: Die Sumerologie

- Thomsen: The Sumerian Language, in: Mesopoatmia 10, 1984

- Tinney: Verweise auf „Wörterbücher“, Hinweis auf Texte zu Begriffen

- Volk, Konrad: A Sumeriam Reader: Zeichenliste, Wörterbuch, Texte

- Wörterbuch für A u. B

- Yoshikawa: Aeta Sumerologica

 

Bibliographien, nach den Themen sortiert:

- HKL III

- AfO: Bibliographie am Ende von jedem Band:

   AfO Register: Literatur zu Realien, Wörter, Texten

- ORNS: Keilschriftbibliography nach dem Namen des

 

Der kultische Kalender:

- Cohen: The cultic calendars of the ancient near east

- Sallaberger: der kultische Kalender der Ur-III-Zeit

- Landsberger: Der kultische Kalender

 

Sonstiges:

Bauer / England / Kreberik: Mesopotamien: Späturuk und F.D.-Zeit

Douglas: RIM-Reihe: Ur-III-Periode: Königsinschriften

Falkenstein: Neusumerische Gerichtsurkunden

Flückinger / Hawker: Urnammu of Ur

Jacobsen, Th.: The Harp that once – Sumerian poetry

Limet, Henry: L’anthroponymie Sumerienne / Sumerische Namenseponyme

 

Reallexikon: für Maße und Gewichte

RGTC: Geographie und Völker

Sallaberger / Westenholz: Mesopotamien: Akkade und Ur-III

Selz, Gebhard: Altsumerische Götter von Lagaš

Steible, H.: Sumerische Bau- und Weihinschriften

 

Lautlehre:

Landsberger, B., ed.: Materialien zum sumerischen Lexikon / Materials for the Sumerian

   Lexicon, 1939ff.

G. Pettinato: Materiali Epigrafici di Ebla, Vol.4, 1982

Krebernik, M.: Die Beschwörungen aus Fara und Ebla, 1984

Borger, R.: Assyrisch-Babylonische Zeichenliste

Ellereier, F.: Sumerisches Glossar, Band 1, teil 1 = Sumerische Lautwerte Lieferung 1, 1979

 

Lautstand:

Falkenstein: Das Sumerische

Meissner-Oberhuber

Liebermann: in Studies in Honor of Tom B.Jones, AOAT 203, S. 23

von Soden: WZKM 55, 51ff.

J. Gelb: MAD 2, 122

J. Bauer: Welt des Orients 8, 1-9

Steinkeller, P.: JCS 35, 249f.

Steinkeller, P.: Aula Orientalis 2, 1984, 141f.

 

Zahlwörter:

Pettinato, G.: Annali dell Instituto Orientale di Napoli, 41, 1981, 141-143

Edzard D.O.: Studi Eblaiti III/5-8, 1980, 121-127

Civil M.: Oriens Antiquus 21, 1982, 3-8

 

Version: 15.12.2013